Dr. phil. Wilhelm von Brehmer

Die Erforschung der Maul- und Klauenseuche – Ein Einstieg in die Krebsforschung

Der zweite Entdecker, der eine unbedingt erwähnt werden muß, wenn vom Pleomorphismus die Rede ist, ist Dr. phil. Wilhelm von Brehmer.

Dr. v. Brehmer wurde 1883 in Westfalen geboren. 1909 schloss er sein Studium der Pharmazie an der Humbold Universität in Berlin ab. Im Anschluss erhielt er eine Stelle als Hilfsassistent und studierte nebenbei Biologie, Physik, Chemie, Bakteriologie, Geologie, später noch Human- und Veterinärmedizin.

Ab 1923 war v. Brehmer Leiter der pathologisch-anatomisch-mikrobiologischen Laboratorien in Berlin-Dahlem. Hier widmete er sich der Erforschung von Viruserkrankungen bei Pflanzen, Tieren und Menschen.

Bei der Erforschung der Maul- und Klauenseuche wurde v. Brehmer auf die hohe Bedeutung des pH- Wertes in Kulturen und in Körperflüssigkeiten von Versuchstieren aufmerksam. Bis zu diesem Zeitpunkt waren pH-Messungen nur in abgenommenem Blut ausserhalb eines Organismus bekannt.

Dr. W. v. Brehmer erkannte, dass der pH-Wert sich nach dem Kontakt des Blutes mit der Luft veränderte und sich auf einen mittleren pH-Wert einpufferte.
So entwickelte v. Brehmer ein Messinstrument, mit dem es erstmals möglich war, die Wasserstoff-Ionen-Konzentration innerhalb der Venen zu messen. Die hierbei erschlossenen Erkenntnisse waren entscheidend bei seiner anschliessenden Krebsforschung.

Die Entdeckung von Siphonospora polymorpha

1928 hatte von Brehmer im Blut von Tier und Mensch eine Mikrobe entdeckt, worüber er in der Zeitschrift „Fortschritte der Medizin“ 1931 erstmals berichtete. Durch weitere Studien stellte er einen Zusammenhang zwischen dieser Mikrobe und der Erkrankung Krebs fest.

Ferner entdeckte er, dass mit zunehmendem Alter, besonders aber im Verlauf bösartiger Erkrankungen, der pH-Wert des Blutes ansteigt und von der normalen altersbedingten Norm abweicht. Dazu proportional entwickeln sich die Mikroben zu ihren pathologischen Stadien.

1932 berichtete v. Brehmer hierüber in „Fortschritte der Medizin“ unter dem provokativen Titel „Krebs-Eine Erregerkrankeit“. Im selben Jahr beantragte er beim Preussischen Innenministerium die amtliche Überprüfung seiner Forschung.

An eine Kommission, deren Leiter Prof. Viktor Schilling war, Direktor der IV. Medizinischen Universitätsklinik in Berlin-Mohabit und weltweit anerkannter Hämatologe, wurde die Überprüfung weitergeleitet.

Anhand der Henle-Koch-Postulate sollte nachgewiesen werden, dass der von v. Brehmer gefundene Mikroorganismus an der Entstehung des Krebs beteiligt ist.

Die Koch’schen Postulate

Bei diesen Postulaten muss ein fraglicher Krankheitserreger folgende Forderungen erfüllen:

  1. Der Erreger muss sich regelmässig in den Körperflüssigkeiten bzw. Ausscheidungen des infizierten Organismus mikroskopisch nachweisen lassen.
  2. Der Erreger muss sich aus dem Organismus isolieren und in Reinkultur züchten lassen.
  3. Das gleiche Krankheitsbild muss sich mit der Reinkultur wieder erzeugen lassen.

Nach einer zweijährigen Überprüfungsphase wurden die Forschungsergebnisse von v. Brehmers bestätigt – ein neuer Blutparasit war entdeckt. Somit war die „Siphonospora polymorpha“ als zweiter echter Blutparasit, der sich im Erythrozyten entwickelt – der erste war das Plasmodium malariae (Erreger der Malaria) anerkannt.

In einem Sonderdruck (Nr. 34) der Zeitschrift „Die Medizinische Welt“ veröffentlichte v. Brehmer 1934 seine Arbeit unter dem Titel „Siphonospora polymorpha n. sp., ein neuer Mikroorganismus des Blutes und seine Beziehung zur Tumorgenese„.
Im gleichen Heft folgte die Bestätigung dieser Arbeiten durch Prof. V. Schilling.

Die Zyklogenie, also der pleomorphistische Kreislauf der Siphonospora polymorpha ist identisch mit der des Mucor racemosus fresens nach Enderlein. Selbst Robert Koch erkannte die bakteriellen Phasen dieser Zyklode, da er in dem Ascites (Bauchwasser) Krebskranker immer Stäbchenbakterien beobachtete. Er hielt sie jedoch für harmlos, da ihm die Anzüchtung nicht gelang, so die Information aus der IV. Medizinischen Klinik, Berlin 1947.

Der Druck der NSDAP auf seine Forschungen

Als die positiven Ergebnisse seiner Arbeiten bekannt wurden, legte man v. Brehmer nahe, der NSDAP beizutreten, was er jedoch ablehnte. Aus der Sicht seiner Forschungsarbeiten – ein folgenschwerer Fehler.

So erschien alsbald im Völkischen Beobachter ein ganzseitiger Bericht mit dem Titel „Dr. v. Brehmer – Entdecker des Krebserregers!„. Die Veröffentlichung von einem Krebserreger und dies von einem Nichtmediziner war ein schweres Vergehen gegen die heilige Allianz von professionellen medizinischen Forschern, die die Erregertheorie schon lange abgelegt hatten. So wurden die Entdeckungen v. Brehmers in den Schmutz gezogen.

Durch die Macht der Partei veröffentlichte das Reichsgesundheitsamt Berlin eine niederschmetternde Stellungnahme in der Tagespresse. Die Forschungen v. Brehmers wurden als „unwissenschaftlich“, „phantastisch“ und „leichtsinnig“ bezeichnet.

Von Brehmer verlangte daraufhin die nochmalige Untersuchung seiner Erkenntnisse durch das Reichsgesundheitsamt Berlin. Diese Kommission bestätigte zum Leidwesen der NSDAP die Angaben v. Brehmers. Darauhin erhielt v. Brehmer jedoch ein Publikationsverbot auferlegt.

Dem Verein deutscher Volksheilkunde war jedoch nicht verborgen geblieben, welcher Abwehrfront v. Brehmer gegenübergestellt war. Man ermöglichte v. Brehmer seine Forschungen fortzusetzen und richtete ihm hierzu im Theresien-Krankenhaus Nürnberg -Paracelsus Institut- eine eigene Krankenabteilung ein.

Die Grundlagen seiner Krebstherapie

Seine Behandlung Krebskranker im Theresien-Krankenhaus Nürnberg stützte sich auf folgende Fundamente:

  1. Regulationstherapie des Säure-Basenhaushaltes, um der Mikrobe ihren Lebensraum zu entziehen.
  2. Die dazugehörige Ernährung (Vollwerternährung) und gleichzeitige Entgiftungsmassnahmen des Organismus.
  3. Eine Behandlung mit einem von ihm entwickelten Impfstoff, der aus der Mikrobe gewonnen wurde.

Nach mehreren Streitigkeiten mit der Regierung wurde das Paracelsus Institut trotz positiver Behandlungserfolge 1937 „auf Befehl des Führers“ geschlossen. Hiernach arbeitete v. Brehmer wieder in seinem alten Institut in Berlin-Dahlem.

Nach kurzer Zeit quittierte er jedoch seinen Dienst, da er von bekannten Grossindustriellen wie Robert Bosch / Stuttgart, Hugo Stinnes / Mühlheim und Konsul Rosehus / Bremen ein Privatlabor zu Verfügung gestellt bekam, das jedoch durch die Folgen des Krieges völlig zerstört wurde.

Ein kurzer Ausblick

Enderlein und v. Brehmer waren bis zum heutigen Tage nicht die einzigen, die diesen pleomorphistischen Kreislauf im Blut beobachteten. Doch haben sie mit den meisten Forschern etwas gemeinsam – jeder dachte von sich, er sei der Erste, der diesen Mikroorganismus sah.

So hat die Siphonospora polymorpha schon viele Namen gehabt. Beginnend bei der Amöba cachexia (Kachexie – Auszehrung mit Abnahme des Körpergewichtes), oder der Name Onkomyxa, der auf ein onkologisches Geschehen hinweisen soll. Nach Enderlein handelt es sich hierbei um die Leptotrichia buccalis Robin.

Für die Siphonospora polymorpha v. Br. und alle wesensgleichen Blutparasiten sind neue Zeiten angebrochen. Der Haug Verlag, einer der grössten medizinischen Verlage, hat 1996 ein neues Standardwerk für den Pleomorphismus verlegt. In diesem 583 Seiten starken Werk mit seinen 1475 Abbildungen fordern auch seine Autoren zur Überprüfung des Pleomorphismus und des Blutparasitismus auf.

Wieviel Zeit muss noch vergehen, bis diese Erkenntnisse endgültig überprüft und anerkannt werden?

1960 wurde die Siphonospora polymorpha von mehreren bakteriologischen Instituten als „Corynebacterium parvum“ identifiziert und sind als solche der „Propioni-Gruppe“ zugeordnet.
Unter dieser Bezeichnung führt sie das international verbindliche Standardverzeichnis aller weltweit anerkannten Mikroorganismen „Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology“, Bd. 2, Williams & Willkins, Baltimore/London/Los Angeles/Sydney, dem auch die EG und alle ihr angehörigen Gesundheitsbehörden einschliesslich des Bundesgesundheitsamtes verpflichtet sind.

Vielleicht gelingt es der wissenschaftlichen Lehrmedizin eines Tages, die Erregertheorie wieder neu aufzugreifen und die Verbindung dieses Mikroorganismus mit dem Krebsgeschehen nachzuweisen, an die in den letzten rund 150 Jahren über 200 Aussenseiter der Medizin geglaubt haben und noch glauben.

Wo immer ich dabei mithelfen kann, werde ich dies tun.


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