Geschichte der biologischen Krebstherapie

„Wir sollten den gleichen Mut aufbringen wie Semmelweis 1860 bezüglich des Kindbettfiebers, den Mut, die Fehler im heutigen Konzept der Behandlung der Krebserkrankungen zu erkennen und zu korrigieren.“
Ernst Krokowski 1926-1985

Krebs in der chinesische Heilkunde
Die ältesten Dokumente über Vorkommen und Behandlung von Krebs finden wir im 3. Jahrtausend v.Chr. bei den alten Chinesen. Als Ursache sahen die Ärzte der chinesischen Medizin eine Regulationsstörung im Organismus. Diese versuchten sie mit Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Akupunktur zu beheben.
Im alt-indischen Ayurveda (ca. 2000 v.Chr.) versuchte man Krebs mit Mineralien und pflanzlichen Drogen zu begegnen. Oberflächliche Tumore wurden mit Glüheisen ausgebrannt.

Hippokrates (460-377 v.Chr.)
Er gilt als Eckpfeiler unserer westlichen Medizin. In den Schriften dieses Klassikers finden sich zahlreiche Angaben über Ursachen und Behandlung vom Krebs. In seinen Schriften werden bösartige Tumore erstmals als „Karkinoma“ bezeichnet. Die „Entmischung der Säfte“ (Blut, Schleim, Galle) durch im Organismus entstehende Gifte, machte er als Ursache am Tumorgeschehen verantwortlich. Er empfahl daher, den Organismus durch entschlackende Mittel zu entgiften. Die chirurgische Entfernung wurde nur bei solchen Tumoren durchgeführt, wo es unbedingt notwendig erschien. Zur internen Behandlung wurden Arsen, Schwefel, Cantharis, Helleborus u.a.m. zur Anwendung gebracht. Dem Kranken wurde eine besondere Diät auferlegt. Das griechische Wort „Diaita“ bedeutet Lebensweise, hat also nicht allein Bezug auf die Ernährung, sondern auf die gesamte Lebensweise eines Menschen. „Diaita“ empfiehlt so die Enthaltung aller schädlichen Einflüsse, also auch in seelischer und geistiger Hinsicht.

Clarus Galenus (131-200 n.Chr.)
Über fünfhundert Arbeiten kennen wir von Galen, dem Begründer der experimentellen Physiologie und Pathologie. Zu ihnen gehören auch eine Reihe von „cancerologischen Schriften“. Wie Hippokrates ist auch Galen ein Vertreter der Säftelehre. Auch Galenus sieht den Krebs als konstitutionell bedingte Erkrankung des Organismus an. Die innere Behandlung müsse so an erster Stelle stehen, die operative Behandlung allen internen Maßnahmen nachgeordnet werden. In seinen Werken gibt er klare Diätvorschriften mit Angaben über verbotene und erlaubte Speisen an. Auch die neuere Forschung bestätigt das die Ernährung einen maßgeblichen Anteil an der Tumorentstehung trägt. Laut einer Studie von Pedo und Doll aus dem Jahre 1996 entstehen 35% aller Tumore durch eine Fehlernährung. Damit stellt die Fehlernährung den Hauptfaktor in der Tumorentstehung dar. Daher auch die Kampagne „5amTag“ (www.5amTag.de) die durch die deutsche Krebsgesellschaft, Bundesministerium für Gesundheit, WHO, und anderen Organisationen unterstützt wird. Grob gesagt hemmen viele Sekundäre Pflanzenstoffe, also die Farb- und Geschmacksstoffe von Obst und Gemüse, ein Tumorwachstum. Ferner können sogar einige Sekundäre Pflanzenstoffe DNA-Schäden in Zellen reparieren und können so verhindern, das aus einer DNA-geschädigten Zelle eine Tumorzelle wird. Andererseits fördern viele Genußmittel wie Fleisch, Zucker, veschiedene Mehlprodukte, Alkohol, erhöhter Kaffeekonsum die Tumorentstehung, sowie das Tumorwachstum.

Im beginnenden Mittelalter…
verfasste Oribasius (325-403 n.Chr.) Leibarzt des Kaisers Julianus Apostata, eine siebzigbändige medizinische Enzyklopädie. Als Krebsursache werden hier eine „gärende Substanz“ und die „Schärfe der Säfte“ genannt. Krebs sei heilbar, wenn die inneren Gifte durch entschlackende Massnahmen zur Ausscheidung gebracht würden.

Paulus von Aegina (625-690 n.Chr.) wies darauf hin, das Krebs an jeder inneren und äußeren Stelle des Organismus entstehen könne. Operationen empfahl er nur bei Brustkrebs. Auffallend ist also, dass bereits die grossen Ärzte des Altertums den Wert einer verbesserten Entgiftung bei der Behandlung von Krebs durch Erfahrungen und Beobachtungen bestätigt sahen. Diese Ärzte beherrschten die Kunst, mit entsprechenden pflanzlichen und mineralischen Arzneimischungen den Organismus zu entgiften. Die ableitende Allgemeinbehandlung der Krebskrankheit wurde hier als vordringlich erachtet.

Der hundert Bände umfassende „Canon medicinae“ des Avicenna (980-1037 n.Chr.) galt noch zu Paracelsus Zeiten als bestes Lehrbuch der Medizin. Jede nicht unbedingt notwendige chirurgische Behandlung des Krebses war verpönt. Sogar namhafte Chirurgen, wie Lanfranchi (Paris), der Verfasser der 1296 erschienen „Chirurgia magna“, schlossen sich dieser Auffassung an.

Paracelsus (1493-1541)
Bombastus Theophrastus von Hohenheim war der bedeutendste Arzt der beginnenden Neuzeit. Er war ein grosser Reformator der Heilkunde, er erprobte viele Rezepte der arabischen Alchimie und wandte sie auch beim Krebs erfolgreich an. Er stellte fest, dass „nicht der Arzt heilt, sondern die Natur“. Der Arzt solle daher die Selbsthilfe der Natur durch sinnvolle Massnahmen unterstützen. Die Verbesserung der körperlichen Abwehr nimmt er damit fest in seinen Heilplan auf. Er wandte von phytotherapeutischen Heilmitteln u.a. Nießwurz (Helleborus), ein Hahnenfußgewächs, das eine mistelartige Wirksamkeit zu entfalten vermag, den Mauerpfeffer (Sedum), Arnika, sowie Knoblauch, Zwiebeln und wilde Laucharten zur Behandlung von Krebserkrankungen an. Seine auf medikamentösem Weg erzielten Erfolge müssen überzeugend gewesen sein, denn Paracelsus stellte fest: „Es sollte verboten und streng bestraft werden, den Krebs durch Schneiden, Brennen, Ätzen und andere henkerische Peinigungen zu vertreiben. Denn aus der Natur kommt die Krankheit, aus der Natur kommt die Arznei und nicht aus dem Arzt. Dieweil nun die Krankheit aus der Natur, nicht vom Arzt und die Arznei aus der Natur, auch nicht von Arzt kommt, so muss der Arzt der sein, der aus beidem lernen muss, und was sie ihn lehren, das muss er tun.“ Sein Heilplan bestand nicht nur aus Arzneien, sondern ebenfalls auch immer einer psychologischen Behandlung. Weil jeder Erkrankung auch geistig-seelische Ursachen zugrunde liegen. Damit ist er auch der Begründer der Psychosomatik. „Der höchste Grund der Arznei sei die Liebe.“

15 – 19. Jahrhundert…
Leonhard Fuchs (1501-1565), Professor zu Ingolstadt, berichtete ausführlich über die erfolgreiche Wirkung pflanzlicher Drogen in der Krebsbehandlung. Ambroise Paré (1510-1590), wohl der genialste Chirurg der Renaissance, hat in seinen zahlreichen Büchern stets die Auffassung vertreten, dass dem Krebs eine Allgemeinerkrankung zugrunde liege, deren Behandlung allen eventuellen chirurgischen Maßnahmen voranzugehen hätte. J. Baptist van Helmont (1577-1644), Professor zu Leiden, beobachtete, dass seelische Belastungen ein Krebsleiden auslösen können, und nimmt damit Erkenntnisse der modernen Psychologie vorweg. 1650 sah Descartes aus Frankreich „entartete Lymphe“ als Krebsursache an. Die Bösartigkeit der Krankheit hängt nach seiner Überzeugung, von der Beschaffenheit der Lymphflüssigkeit und deren Entartung ab. Georg Ernst Stahl (1660-1742), Professor in Halle und Berlin, wies auf das Vorhandensein einer inneren Heilkraft hin, die er als „Anima“ bezeichnete. Er sah im Fieber eine Heilmaßnahme des Körpers, das man folglich keinesfalls unterdrücken sollte.

Die Behandlung des Krebses war von der Antike bis ins 19. Jahrhundert im wesentlichen dieselbe geblieben. Von jeher war man bestrebt gewesen durch blutreinigende, ausleitende Massnahmen wie auch durch diätetische Umstimmung die „Schärfe der Säfte“ der Krebskranken zu lindern, und den Tumor selbst durch äusserlich oder innerlich angewandte chemische oder pflanzliche Mittel, zur Auflösung zu bringen. Die Überzeugung, dass Krebs auf eine innere Vergiftung des Gesamtorganismus zurückzuführen sei, dass dieser daher – neben den lokalen Massnahmen im Tumorbereich – auch der Entlastung durch reinigende, giftausleitende, konstitutionell umstimmende, ganzheitlich wirksame Heilmittel bedürfe, war allgemein verbreitet.

Neue Impulse hat die Konstitutionstherapie zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Entdecker der Homöopathie, Samuel Hahnemann (1755-1843) erfahren. Alle chronischen Krankheiten seien im Grunde auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen, nämlich auf unbekannte innere Gifte, die er als „Psora“ bezeichnet hatte. Grundlage der Heilkunde sei die ärztliche Erfahrung, also die sorgfältige Beobachtung der Natur. Hahnemann und seinen Schülern war aufgefallen, das eine Reihe von Stoffen in toxischen oder subtoxischen Dosierungen angewandt in der Lage sind kachektische Zustände (Auszehrung) und andere zum Erscheinungsbild der Krebskrankheit gehörenden Symptome hervorrufen können. Sie schlossen daraus, dass umgekehrt hochverdünnte Zubereitungen dieser Mittel bei der Behandlung von Krebs hilfreich sein könnten. In der Tat hat sich ergeben, dass durch diese Mittel in vielen Fällen eine positive Umstimmung des Krankheitsbildes, in einigen Fällen sogar ein völliges Verschwinden der Krankheitssymptome erreicht werden kann.

Was immer auch die jeweils vorherrschenden Lehre auch in den Vordergrund stellen mochte, in einem stimmen alle Ärzte überein, nämlich in der Überzeugung, dass dem Krebs eine Allgemeinerkrankung zugrunde liege, und im Tumor nur das Symptom dieser Erkrankung verkörpert sei. Es handelt sich hierbei nicht um unbewiesene Hypothesen, sondern um nüchterne Beobachtungen der Natur, deren Erkenntnisse man objektiv nicht als falsch bezeichnen kann.

Doch wer oder was gibt den heutigen Ärzten das Recht, detaillierte Berichte über Krebsheilungen aus früheren Epochen abzuwerten, zu bezweifeln oder gänzlich zu verneinen?

Sicherlich war die Chirurgie des Mittelalters wegen der noch nicht so weit entwickelten Technik, der fehlenden Asepsis und Anästhesie ein Grauen aus heutiger Sicht. Eine so wirkungsvolle lokale Therapie, wie sie heute möglich ist, war zu jener Zeit natürlich noch undenkbar. Um so umfassender war damals die gegen die Ursachen gerichtete ganzheitliche Behandlung, die in der modernen Krebsheilkunde bisher kaum Beachtung findet.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass bis in das 19. Jahrhundert in der Medizin die Auffassung vertreten wurde, das dem Krebs eine Allgemeinerkrankung zugrunde liegt. Krebs entsteht niemals in einem gesunden Organismus, sondern immer nur in einem vorgeschädigten Organismus. Wenn man diese Vorschäden verhindert, kann kein Krebs entstehen.

In der Mitte des 18.Jahrhunderts veröffentlichte Morgagni (1682-1772) sein bis heute berühmtes Werk „Über den Sitz und die Ursachen von Krankheiten“ („De sedibus et causis morborum“). Durch die von ihm durchgeführten Sektionen schloss er darauf, das jede Krankheit ihren Sitz in einem veränderten Organ hätte. Jedoch hatte er bei den Sektionen immer nur das Endstadium einer Erkrankung vor seinen Augen und nicht deren überregionale Entstehungsphase. Die lokalistische Fixierung einer Krankheit – und damit auch der Tumorerkrankungen – nimmt hier ihren Anfang. Ferner untersuchte man in der Folge die Tumore in der Pathologie auf ihre Gewebszusammensetzung und so erschien das erste „Lehrbuch über die Systematik der bösartigen Geschwülste“ von Laennec (1781-1826). Wenn man die Krebsforschung dieser Zeit analysiert, wird immer klarer, dass die Frage nach der Ursache der Krebsentstehung immer mehr vernachlässigt wurde, je intensiver sich die Ärzte um den morphologischen Feinbau und die Einteilung der Geschwülste bemühten. 1824 erbaute Chevalier das erste achromatische Mikroskop, mit dem es nun endlich gelang Zellstrukturen näher zu untersuchen. Kurze Zeit später entdeckte Raspail in Paris, das Gewebe aus kleinsten, selbstständigen Einheiten zusammengesetzt sind, die er als Zellen bezeichnete. 1833 entdeckte Robert Brown den Zellkern. Johannes Müller (1801-1858), Professor der Physiologie, Anatomie Embryologie in Bonn und Berlin, einer der bedeutendsten Ärzte des 19. Jahrhunderts, veröffentlichte 1838 eine richtungsweisende Arbeit mit dem Titel „Über den Feinbau und die Formen der krankhaften Geschwülste“. Er stellte fest, das Tumore, genauso wie gesundes Gewebe, aus Zellen zusammengesetzt sind. Auch für ihn war Krebs eine Allgemeinerkrankung des Körpers und der Tumor nur ein Symptom.

Rudolf Virchow (1821-1902)
Der größte Pathologe des 19. Jahrhunderts stellte fest, das Bindegewebe und Epithelgewebe die Grundsubstanz darstellen aus der sich bösartige Geschwülste entwickeln. 1858 veröffentlichte er seine „Zellularpathologie“. Er schrieb darin das alle krankmachenden Lebensvorgänge sich in der Zelle abspielen. Wegen der einschneidenden Bedeutung, die der virschowschen Zellularpathologie für die spätere lokalistische Auffassung in der Gesamtmedizin – insbesondere beim Krebs – zugemessen wird, ist es wichtig, Virchows eigene Meinung zu diesem Problem darzulegen. Aus dem nachfolgenden Zitat geht hervor, das er seine Theorie immer nur als Ergänzung zur alt hergebrachten Ganzheitsschau sah. Auch er sah den Gesamtorganismus im Vordergrund und erst wenn dieser in seiner Komplexität geschädigt wird, kann Krebs entstehen.

„Dies sind drei Dinge, welche bei der Frage von der Entstehung der Geschwülste und dem Wert der einzelnen hauptsächlich diskutiert worden sind: Veranlassende örtliche Dinge, Prädisposition bzw. Konstitution, Dyskrasie (Verschiebung des Säftehaushaltes). Man sagt, tritt im Blut eine besondere Veränderung ein und findet sich im Körper ein prädispositionierter Ort, so wird das kranke Blut auf den prädisponierten Ort (locus minoris resistentiae) wirken und die Erkrankung hervorrufen.“

Durch die Entdeckungen Virchows war es nun möglich, an Zellen und Geweben Krankheiten einwandfrei zu erkennen und nachzuweisen. Dies war für die damalige Medizin, die in immer stärkeren Masse eine wissenschaftliche Basis anstrebte, ein solches Ereignis, dass es nur verständliche ist, wenn die Ärzte dieser Zeit sich dieser Forschungsrichtung voll zuwandten. Sahen sie darin doch endlich für das Krankheitsgeschehen feste und erkennbare Anhaltspunkte. Noch war die Entdeckung zu neu, als dass man hätte wissen können , dass man es hier mit einer diagnostischen Großtat zu tun hatte, nicht aber mit der Erklärung für funktionell-krankmachende Abläufe. So ist, retrospektiv betrachtet, zu verstehen, das die ursächlichen Faktoren, die sich dem Auge nicht immer offenbaren, im Überschwung einfach über Bord gehen ließ, anstatt die neuen Erkenntnisse sinnvoll mit einzubauen. In dem filmgleichen Ablauf der Krankheitsentstehung hatte man das Eindrucksvolle Endbild fixiert, das zwar den Folgezustand demonstrativ darstellte, aber keinen Aufschluss über die Krankheitsentstehung geben konnte. Diese Form der Zellularpathologie, die so auch nicht von Rudolf Virchow gedacht war, wurde als neue medizinische Weltanschauung von den folgenden Ärztegenerationen übernommen und ausgebaut. Wie so oft erlebte man, dass der starke Eindruck des Neuen das Gute am Alten vergessen ließ. Damit geriet das Bild der Krebskrankheit, also der Grunderkrankung in Vergessenheit, der Blick aller Forschung und Behandlung wurde ausschliesslich auf den Tumor gerichtet und ist bis heute praktisch auf ihm geblieben.

Aus einer chronischen Allgemeinerkrankung die letztendlich zum Tumor führt, war eine lokale Erkrankung geworden, und das Endsymptom der Krankheit wurde selbst zur Krankheit deklariert. Hiermit verliess man eine Anschauung, der fast 5000 Jahre die Ärzte gefolgt waren und die sich bewährt hatte. Durch die Überbetonung des Tumors, ging das Verständnis für die übergeordneten Zusammenhänge und damit für die Ursache der Tumorentstehung verloren. Allein hierin ist die Ursache dafür begründet, dass man trotz der ungeheuren Anstrengungen die weltweit auf dem Gebiet der Krebsforschung gemacht werden, bisher nicht entscheidend weitergekommen ist.

Siehe hierzu auch unter: Ganzheitstherapie- Die wichtigste Waffe gegen den Krebs